China und Gutenberg – die Entwicklung der Druckpresse Teil 1

Technologien

Johannes Gutenberg wird meist als Erfinder der Druckerpresse genannt. Tatsächlich war der Beitrag des deutschen Goldschmieds zur Technologie im 15. Jahrhundert revolutionär – er ermöglichte die Massenproduktion von Büchern und die schnelle Verbreitung von Wissen in ganz Europa. Die Geschichte des Druckens beginnt jedoch lange vor Gutenbergs Zeit.

Chinesische Mönche und Blöcke
Fast 600 Jahre vor Gutenberg setzten chinesische Mönche mit dem Blockdruckverfahren Tinte auf Papier, wobei Holzblöcke mit Tinte bedeckt und auf Papierblätter gepresst wurden. Eines der frühesten überlieferten Bücher, die auf diese Weise gedruckt wurden – ein alter buddhistischer Text, bekannt als „Das Diamant-Sutra“ – wurde 868 während der Tang Dynastie (618-909) in China geschaffen. Die geschnitzten Holzblöcke, die für diese frühe Druckmethode verwendet wurden, wurden bereits im achten Jahrhundert in Japan und Korea verwendet.

Ein wichtiger Fortschritt für den Holzschnitt kam im frühen 11. Jahrhundert, als ein chinesischer Bauer namens Bi Sheng das erste beweglichen Modell der Welt entwickelte. Obwohl Sheng nur ein Bürgerlicher war, wurde seine geniale Druckmethode, die die Produktion von Hunderten von individuellen Charakteren beinhaltete, von seinem Zeitgenossen, einem Gelehrten und Wissenschaftler namens Shen Kuo, gut dokumentiert.

In seinen Schriften aus dem 11. Jahrhundert erklärt Kuo, dass Shengs bewegliche Figuren aus gebranntem Ton bestanden. Die Tinte, die er verwendete, war eine Mischung aus Kiefernharz, Wachs und Papierasche, und wie Kuo es erzählt, konnte Shengs Methode verwendet werden, um schnell Tausende von Kopien eines Dokuments zu drucken.

Während im 12. und 13. Jahrhundert mehrere andere chinesische Druckereien den irdenen Typ der Töpferwaren verwendeten, gelangte Shengs beweglicher Typ erst viele Jahrhunderte später in China oder anderswo in den Mainstream.

Trotz früher Erfolge mit beweglichen Lettern hat sich diese Druckmethode in Asien nicht so schnell durchgesetzt wie in Europa. Dieser lauwarme Empfang war wahrscheinlich auf die Komplexität asiatischer Schreibsysteme zurückzuführen. Anders als die prägnante, alphabetische Schrift vieler westlicher Sprachen bestehen Chinesisch, Japanisch und Koreanisch aus Tausenden von Zeichen, die jeweils für den Druck mit beweglichen Lettern individuell gegossen werden müssen. Solch eine entmutigende Aufgabe hat das geschriebene Wort vielleicht als eine effizientere Option zum Drucken in diesen Sprachen erscheinen lassen.

Die Europäer fanden jedoch schnell zu beweglichen Lettern. Vor der Erfindung der Druckerpresse – irgendwann zwischen 1440 und 1450 – wurden die meisten europäischen Texte mit Xylographie gedruckt, einer Form des Holzschnitts, ähnlich der chinesischen Methode. Manuskripte, die nicht mit Holzblöcken gedruckt wurden, waren mühsam von Hand kopiert. Beide Prozesse waren sehr arbeitsintensiv und daher waren Bücher in Europa sehr teuer und nur wenige konnten es sich leisten, sie zu kaufen.

Aber das änderte sich Mitte des 15. Jahrhunderts, als sich Johannes Gutenberg in Straßburg als Goldschmied und Handwerker etablierte.